En heisse Tipp#3
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En heisse Tipp#3

Erwachsen werden in Zeiten der Apokalypse

„[…] Die Wahrheit ist, […] dass das Ende der Welt sehr wohl gekommen ist […]

Magda ist ein ganz normales Mädchen, das wie alle Jugendlichen in ihrem Alter mit den vielfältigen Herausforderungen des Erwachsenwerdens kämpft. Doch als hätte sie damit nicht genug zu tun, erfährt sie in der Schule einen Tag vor ihrem 13. Geburtstag, dass die Welt – Wissenschaftler haben es angekündigt – in 365 Tagen untergehen wird.

Die Kapitel der Graphic Novel sind nach den vier Jahreszeiten benannt, die den Countdown bis zur bevorstehenden Apokalypse betonen. Die Menschen in der Geschichte wissen also, dass das Ende der Welt naht. Manche versuchen sich die  Normalität zu bewahren und leben einfach weiter wie bisher, andere haben das Bedürfnis die Zeit die ihnen noch bleibt, in vollen Zügen auszukosten. Die Tatsache der bevorstehenden Apokalypse verändert alles. Die Leser begleiten Magda während des letzten Jahres ihres Lebens: Ihr Vater verlässt von heute auf Morgen die Familie, weil er die Zeit, die ihm noch bleibt, mit einer anderen Frau verbringen möchte.  Man erlebt mit ihr den Alltag, teilt ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe und der Sexualität, beim  Party machen oder beim Ausprobieren von Drogen.

Die Leichtigkeit und Sorglosigkeit des Teenageralters fehlen aber, denn die Gewissheit, dass die Welt bald untergehen wird, verleiht der Geschichte eine gewisse Schwere und Traurigkeit. Man durchlebt mit Magda Augenblicke voller Hoffnung und Freude, aber auch das Gefühl der absoluten Hoffnungslosigkeit, die Angst und das beklemmende Gefühl, dass alles bald zu Ende sein wird. Sie philosophiert mit ihren Freunden über die bevorstehende Apokalypse und darüber, was sie noch alles vor ihrem Tod erleben möchte. Parallel zu Magdas Alltag, erlebt der Leser wie die Weltordnung zu bröckeln beginnt, das fliessende Wasser wird abgestellt und die Menschen plündern, um zu überleben. So bleibt im Hinterkopf stets der Gedanke haften, dass Martha ihr 14. Lebensjahr nie erreichen wird. Dass sie nie wissen wird, was das Leben als Erwachsene ihr zu bieten hätte – oder gibt es vielleicht doch noch Hoffnung, dass sich die Apokalypse irgendwie aufhalten lässt?

Neben der tragischen Story überzeugt der schlichte Zeichnungsstil von der Zeichnerin Carol Maurel auf ganzer Linie. Die Kolorierung ist hauptsächlich in gelblich-warmen Tönen gehalten, was den Zeichnungen etwas Nostalgisches verleiht, ähnlich wie bei alten Sepia-Fotos. Gleichzeitig schafft es die Illustratorin gekonnt, die jeweiligen Stimmungen und Gefühle ihrer Figuren in ihren Bildern atmosphärisch einzufangen. Das Szenario wurde von der jungen Französin Chloé Vollmer-Lo verfasst. Sie lässt uns tief in Magdas Gefühlswelt eintauchen und beschreibt mit einem realistischen Blick, den Niedergang der Welt aus der Perspektive der jungen Protagonistin. Auch zeigt sie, was diese grausame Realität nicht nur mit der Jugend sondern mit der ganzen Gesellschaft macht.

Eine aufwühlende, bewegende und apokalyptische Graphic Novel, die zwei spannende Themen miteinander verbindet: Die Herausforderungen des Heranwachsens mit all ihren schönen und schwierigen Seiten und zugleich die beängstigende Tatsache, dass die Welt untergehen wird. Eine absolut empfehlenswerte düstere Zukunftsvision, die nicht nur junge sondern auch Erwachsene Leser begeistern kann.

Chloé Vollmer-Lo, Carole Maurel: Magdas Apokalypse.
Aus dem Französischen von Uwe Löhmann.
Splitter, Bielefeld 2017, 192 S.

>>> In der Mediathek vorhanden bei den Graphic Novels, Signatur: MAUR

 

Buchtipp von Sophia Leguizamón, GIBZ Mediathek

 

 

 

3 0 955 23 Februar, 2018 AKTIV Februar 23, 2018

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