Vom Mini-Nilpferd, französischen Affen und der Liebe
Vom Mini-Nilpferd, französischen Affen und der Liebe
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Vom Mini-Nilpferd, französischen Affen und der Liebe

So, da wären wir wieder, meinE liebeR LeserfreundIn.
Das Wetter hat umgeschwungen, plötzlich liegen verfärbte Blätter auf der Strasse und der Schal hat seinen Weg aus dem Schrank an unsere Hälse gefunden. Das Licht ist plötzlich auch ganz anders, der Weg ins Schulgebäude ist schon wieder zur Gewohnheit geworden und jeder Wetterfrosch bestätigt es einem: Der Sommer ist vorbei, der Herbst ist da. Wir aber lassen uns von den Jahreszeiten gar nicht durcheinander bringen, sondern wollen schnell in unserer Geschichte weiter. Wer sich nicht mehr erinnern kann, ich war das letzte Mal gerade dabei zu erzählen, wie ich entführt wurde und beim Zirkus landete. Also, nehmt euch einen kleinen Snack, setzt euch hin oder lehnt auch irgendwo an und wenn ihr eher sentimental veranlagt seid, legt schon mal ein paar Taschentücher bereit. Heute begegnen wir nämlich weinenden Mini-Nilpferden und der Liebe meines Lebens. Mach Dich gefasst!

Ich befand mich in einem kleinen, engen und mit Gitterstäben verschlossenen Käfig. Mir war kalt und elend zu Mute. Gerade eben war ich noch meinem Flughafensicherheitshundleben nachgegangen und plötzlich lag ich hier. Nach einer Weile gewöhnten sich meine Augen an das trübe Dunkel und ich erkannte, dass um mich mindestens zwanzig weitere kleine Gefängnisse aufgestellt waren. In den Käfigen sassen exotische Vögel, ein Mini-Nilpferd, ein tanzender Bär, Fledermäuse, ein Kängaruh, zwei Hasen, ein Ameisenstamm, eine Katze, die zwei Köpfe hatte, eine Mäuse-Familie, Flamingos, fünf Enten, die erstaunlicherweise Anzüge trugen, drei Kapuzineräffchen und eine Schlange. Nachdem ich verzweifelte versucht hatte, mich mit dem Nilpferd zu unterhalten, das aber nur leise zu weinen begann, fingen die drei Kapuzineräffchen mit einem französischen Akzent mit mir zu sprechen.
„Mousieur le Hund, wir sind erfreut, zu machen ihre Bekanntschaft. Nous sommes Sartre, Stendhal et Balzac.“ Erfreut drei Tiere gefunden zu haben, die scheinbar wie ich der Sprache mächtig waren, schlug ich erst mal drei Saltos und versuchte dabei, mir selber in den Schwanz zu beissen. Sie klatschtenin die Hände und folgten sofort meinem Beispiel. Als ich ihnen sagte, wie herrlich es sei, endlich andere sprechende Tiere zu träffen, schüttelten sie den Kopf und zeigten auf ein eigenartiges Gerät in einem anderen Käfig. Die Maschine hatte diverse Lichter und mehrere Lautsprecher, sowie Mikrofone. Plötzlich streckte ein Schnabeltier seinen Kopf hinter der Maschine raus. Es stellte sich heraus, dass das Schnabeltier ein Erfinder war und ein Gerät erfunden hatte, dass alle Sprachen, inklusive tierischer, sofort übersetzen konnte und für den Empfänger verständlich wiedergab. Wie genau es funktierte, kann ich hier nicht wiedergeben. Das Schnabeltier sprach äusserst schnell und hatte einen starken Sprachfehler und als es begann von irgendwelchen Vektoren zu sprechen, fing ich an meinen Sicherheitsvorrat von Frolic zu essen.
Es gäbe nun viel zu sagen, aber ich will Dich nicht langweilen, liebeR LeserfreundIn. Kurz und gut, die Tiere klärten mich darüber auf, dass wir uns auf einem Schiff befänden, dass dem etwas exzentrischen Zirkusdirektor Niet gehörte. Niet hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den eigenartigsten Zirkus zu besitzen, den es gibt. In seinem Zirkus traten keine Menschen auf, sondern nur Tiere und zwar nur solche, mit sonderbaren Talenten oder besonders exotischem Aussehen. Die Vorstellungen selbst fanden auf dem Deck des Schiffes statt. So fuhr Niet die sieben Weltmeere ab und während er an einem Hafen anlegte, um seine Vorstellungen zu geben, versuchte er gleichzeitig stets neue Gefangene für seinen Zirkus zu finden.
Am Ende der langen Erzählung, bei der alle Tiere immer wieder genauere Erklärungen lieferten und die Mäusefamilie mindestens drei Mal vor lauter Aufregung ein bisschen ohnmächtig geworden war, bemerkte ich, dass im hintersten Ecken des grossen Raumes ein Käfig im Dunkeln stand. Ich erkannte nicht, was für ein Tier darin sass und bisher hatte sich auch noch niemand von dort in die Geschichte eingemischt. Aber in dem Moment, als ich fragen wollte, wer dahinten sitze, hörte ich die schönsten Klänge der Welt. Es war eine bezaubernde Stimme, die ein Lied ohne Wörter sang, dass so traurig war, dass selbst einem Krokodil eine Träne herunter gekullert wäre. Ich schloss meine Augen und der Gesang zauberte Bilder in meinen Kopf, die von solcher Schönheit waren… Oh je, ich komme ins Schwärmen. So ging das auf jeden Fall ziemlich lang. Im Käfig befand sich nämlich ein Einhorn und wie jeder weiss, kann niemand so schön singen, wie Einhörner. Kein Wunder also, war ich sofort verliebt.
Eigentlich wollte ich ja nur schnell erzählen, wie wir aus dem Schiff entkommen sind und ich schlussendlich in Frankreich als Hörgeräte-Werbungs-Model arbeitete und in Saint-Tropez Yves-Saint Laurent kennenlernte, aber das müssen wir ein anderes Mal nachholen. Jetzt ist es nämlich Zeit für mich zum Frisör zu gehen und es gibt weniges, was ich wichtiger nehme, als meine Frisörtermine.

1 0 5217 20 September, 2013 INFORMATIV September 20, 2013

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