Heitere Episoden in düsteren Zeiten – Lesetipp aus der Mediathek
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Heitere Episoden in düsteren Zeiten – Lesetipp aus der Mediathek

Kummer aller Art

Mariana Leky kennen die meisten wegen ihres Bestsellerromans «Was man von hier aus sehen kann». Dieser wurde in über 20 Sprachen übersetzt und verfilmt. Was aber vielleicht nicht so viele wissen, ist, dass sie literarische Kolumnen in der Zeitschrift «Psychologie Heute» veröffentlicht hat. Diese sind von der Autorin überarbeitet worden und als Buch erschienen. Leky entstammt einer Psychiater-Dynastie und kann somit aus dem «Nähkästchen» ihrer Familie plaudern. Denis Scheck, ein bekannter Literaturkritiker, meint:»Leky erzählt wie schwer es ist aus seinem Hirnkasten zu springen, sich von seinen Ängsten, Neurosen und inneren Verwachsungen zu befreien.»

Wie der Titel vermuten lässt, geht es um Kummer. Dieser Kummer wird präzise analysiert und von verschiedensten Menschen besprochen, so dass er sich oft in Wohlgefallen aufzulösen scheint.

Alle Figuren des Buches – viele leben mit der Autorin im gleichen Haus – sind liebenswerte Menschen mit sehr menschlichem Kummer. Da ist zum Beispiel Herr Pohl mit seinem Zwergpinschermischling Lori, der nicht gerne aus dem Haus geht oder Frau Wiese, Expertin in Schlaflosigkeit. Mit Achim, der das Café unten im Haus betreibt, hat Leky an einem Meditationskurs teilgenommen. Darüber schreibt sie:

«Nach der sechsten Sitzung konnten scheinbar alle ausser uns einwandfrei meditieren, es sah toll aus, wie sie da sassen, sehr gern hätten wir auch derartig da gesessen, so gleichzeitig entrückt und ganz anwesend. Alle wirkten innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sah es aus wie bei Hempels unter dem Sofa.»

Im Kapitel: «Die Pubertät, eine Kontinentalverschiebung». Schreibt sie über die Beziehung von Tim und seiner Mutter. Für alle Buchliebhaber:innen, die pubertierende Kinder am eigenen Leib erfahren durften oder dürfen, rechtfertigt alleine diese Geschichte, den Kauf oder das Ausleihen dieses Buches.

Im Kapitel «Zehnkampf-Knie», erzählt die Autorin von ihrer Begegnung mit einem Vertretungs-Orthopäden (ihr üblicher Orthopäde ist krank). Diese Begegnung schildert sie, die ja selbst in einem psychologischen Umfeld aufgewachsen ist, so: »Das Hineinspüren in mein Knie ist auch deshalb unmöglich, weil ich die ganze Zeit versuche, in den Orthopäden hineinzuspüren, um herauszufinden, ob sich irgendwo in ihm doch noch die Möglichkeit einer Spritze befindet.»

Mein Fazit: Mariana Lekys Sprache ist von scharfer Präzision und hinreissendem Witz. Sie erzählt lebensklug und kurzweilig.

«Kummer aller Art» hat meinen eigenen Kummer über die schwierigen Zeiten, wie wir sie momentan erleben mit dem Krieg in der Ukraine oder den Tausenden von Erdbebenopfern zeitweise vertrieben. Das ein oder andere Mal habe ich beim Lesen sogar laut auflachen müssen. Dieses Buch heitert die noch oft grauen Wintertage wunderbar auf!

Mariana Leky: Kummer alle Art
DuMont Buchverlag, Köln, 2022 – 170 Seiten
ISBN 978-3-8321-8216-8

Hinweis: Das Buch steht bei den Romanen unter LEKY; dort steht auch ihr erster Bestseller «Was man von hier aus sehen kann» (falls sie nicht ausgeliehen sind)


Tipp von  Claudia Rodriguez | Mitarbeiterin GIBZ Mediathek (ursprünglich erschienen als Buchtipp in der Zuger Zeitung)

3 Kommentare deaktiviert für Heitere Episoden in düsteren Zeiten – Lesetipp aus der Mediathek 619 28 Februar, 2023 INFORMATIV Februar 28, 2023

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