En heisse Tipp#12: Eine etwas andere Reise um die Welt
En heisse Tipp#12: Eine etwas andere Reise um die Welt
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En heisse Tipp#12: Eine etwas andere Reise um die Welt

Der Dokumentarfilm “WEIT” handelt von einem jungen Paar, das auf eine aussergewöhnliche und abenteuerliche Reise um die Welt aufbricht. Patrick Allgaier ist freiberuflicher Kameramann, seine Partnerin Gwendolin Weisser, Hobby Filmemacherin. Ihr Ziel ist es eine Weltreise über Land zu machen, mit einem kleinen Budget und ohne in ein Flugzeug zu steigen. Die beiden gehen viel zu Fuss, fahren per Anhalter und nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Später sind sie auch mit einem umgebauten VW-Bus unterwegs. Dabei haben sie lediglich ihre Rucksäcke mit ihrem Hab und Gut. Geschlafen wird hauptsächlich im Zelt und ihr Essen bereiten sie oft selber mit dem Gaskocher zu, stets auch inspiriert von der Küche des jeweiligen Landes. Um ihr Budget aufzubessern, arbeiten sie manchmal für Kost und Logis.

Die Zuschauer begleiten die beiden durch wunderschöne Landschaften. Erleben mit ihnen berührende, witzige und teils auch absurde Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen. Insbesondere zu Beginn fahren die beiden viel per Anhalter durch die Länder. Dadurch sind sehr viele schöne Begegnungen entstanden und sie erleben die bereisten Gebiete und die Menschen, die dort leben, sehr nah und authentisch. So sind kleine Porträts der Leute entstanden, die viele berührende, herzliche und manchmal auch sehr witzige Situationen schildern.

So wie beispielsweise die Etappe mit Andrej, einem kontaktfreudigen LKW-Fahrer aus Weissrussland, der die beiden Anhalter mitnimmt. Er muss Äpfel von Weissrussland nach Astana (Kasachstan) bringen. Er sei spät dran und müsse deshalb die restlichen 800 Kilometer durchfahren. Auf der Reise mit ihm fahren sie durch eine beindruckende karge Landschaft, vorbei an einsamen Dörfern und Strassenrestaurants. Sie erfahren viel über Kasachstan und Russland und über die Leute. Die Fahrt ist für alle unterhaltsam, auch für Andrej, der stundenlang alleine die anstrengenden Strecken fährt. Sie hören gemeinsam kasachische Musik. Patrick und Gwendolin erweitern ihren Russisch-Wortschatz, es wird viel gelacht. Als Zuschauer fühlt man sich fast so, als sässe man selbst im LKW.

Kommuniziert wird oft per Handzeichen oder mit Hilfe der Übersetzungsfunktion auf ihrem Smartphone. Gewisse Sprachen beherrschen die beiden, so können sie sich teilweise problemlos verständigen. Für Länder, deren Sprache sie nicht beherrschen, haben die beiden einen Text vorbereitet, den Sie den Einheimischen, denen sie begegnen, in ihrer jeweiligen Sprache mit dem Smartphone abspielen. Ihre spezielle und nachhaltige Art zu Reisen, stösst durchwegs auf positive Reaktionen.

Und wie auf jeder Reise, gibt es auch einige Herausforderungen, welche die beiden meistern müssen: Mal ist es ein Motorschaden oder eine Reifenpanne, die das Weiterreisen verzögert, mal stehen die beiden stundenlang an einer Strasse und warten darauf, dass ein Auto sie mitnimmt oder überhaupt ein Gefährt kommt.

Trotzdem verlieren die beiden trotz der Anstrengung und der teilweise langen Wartezeit niemals ihre Freude, Humor, Kreativität und Geduld.

Sehr authentisch ist auch Gwendolyns Aussage im “weit-Reisemagazin” (siehe Hinweis). Dort schreibt sie sehr offen, dass der Reisealltag nicht immer so aufregend und abwechslungsreich sei, wie es für Aussenstehende den Anschein mache. Dass es neben den vielen Höhen auch Tiefen gäbe, so wie im Alltag zu Hause.

Auf der Reise wird Gwen ungeplant schwanger. In Russland machen sie einen Test und haben die Gewissheit, dass sie nun bald zu dritt sein werden. Für die beiden ist klar, dass dies kein Grund ist die Reise abzubrechen. Gwendolin beschreibt im Reisemagazin ihre Gefühle so:

“[…]Weiterzureisen ist somit eine Liebeserklärung an unsere Lebensart. Und abgesehen davon bekommen die Menschen überall auf der Welt Kinder. Wir sind glücklich, wir lieben uns und wir werden auf der Reise beide 24h am Tag für das Kindchen Zeit haben. Was gibt es Schöneres”?

Sie überlegen deshalb, wo sie ihr Kind zur Welt bringen wollen und der Entscheid fällt auf Mexiko. So überqueren die beiden per Frachter das Meer um nach Mexiko zu gelangen. Dort kommen sie bei Freunden unter um etwas länger bis zur Geburt des Kindes zu verweilen.

Nach der Geburt des kleinen Bruno, reisen Sie zu dritt als kleine Familie mit einem umgebauten VW-Bus weiter. Das Reisen verändert sich, sie sind langsamer und strukturierter unterwegs, verweilen oft auch länger an einem Ort. Im vierten Jahr, treten sie die Rückreise per Schiff nach Deutschland an. Dort angekommen wollen sie bis nach Hause wandern. Patrick zieht den “Monowalker”, einen Wagen mit ihrem Gepäck und Gwendolin trägt den kleinen Bruno. So gehen sie die restlichen knapp 1200 Kilometer bis zur Haustüre der Grosseltern, welche den kleinen Bruno nach 15 Monaten zum ersten Mal in ihre Arme schliessen können.

 

Mich hat der Film sehr berührt. Es ist so, als würde ich Gwendolin und Patrick auf ihrer Reise begleiten. Ich war fasziniert von diesen wunderschönen Landschaften, der Herzlichkeit der Menschen, dem Mut, der Gelassenheit und der Ausdauer, welche die beiden hatten. Auch der Moment, als sie eine kleine Familie werden und mit Bruno nach Hause gehen, ist mir sehr im Gedächtnis geblieben.

Wer wunderschöne Landschaften, Begegnungen mit Menschen und das Reisen liebt oder auf der Suche nach Inspiration für seine nächste Reise ist, der wird den Film “Weit” mögen. Und wer nach der Sichtung des Films noch mehr Inspiration möchte, für den gibt es das gleichnamige Reisemagazin. Dort findet man auch die Porträts der Menschen, denen sie auf der Reise begegnet sind, kleine Anekdote, Rezepte der jeweiligen Länder, Gedanken sowie Reisetipps und Länderinformationen.


Hinweis:

Film: Allgaier Patrick, Weisser Gwendolin: weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt. weit GBr, Norsingen 2017, circa 127 Minuten.

Buch: Weisser Gwendolin, Allgaier Patrick: weit. Ein Reisemagazin. weit Gbr, Norsingen 2018, 262 S.

>>> In der Mediathek vorhanden bei den Graphic Novels, Signatur: MAUR

Verfasserin der Rezension: Sophia Leguizamón, GIBZ Mediathek

1 0 307 19 Juni, 2019 INFORMATIV Juni 19, 2019

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