Eine Reise nach Kuba
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Eine Reise nach Kuba

Unser Dozent und Lehrer, der Kreativdesigner und Meisterzeichner, Hubert Baumgartner,  hat uns über seine Eindrücke von einer Reise durch Kuba berichtet und dort natürlich auch gezeichnet.

W.S.: Was hat dich zu dieser Reise veranlasst?

H.B.: Meine Partnerin und ich wollten gemeinsam eine grössere Reise machen. Weil ich seit einiger Zeit spanisch lerne, stand ein spanischsprachiges Land im Vordergrund.

W.S.: Wieso gerade Kuba?

H.B.: Meine Partnerin war schon zweimal in Kuba und es hatte ihr dort sehr gut gefallen. Zudem war in den Medien oft von einer möglichen Öffnung des Landes zu lesen, die wahrscheinlich einige Eigenheiten von Kuba zum Verschwinden bringen wird. Deshalb wollten wir noch das „authentische“, sozialistische Kuba besuchen. Ich bin dann aber bald zur Überzeugung gelangt, dass dieses „authentische“ Kuba dringend Veränderungen nötig hat.

W.S.: Seid ihr direkt nach Kuba gereist oder mit Zwischenstationen in anderen Ländern?

H.B.: Wir sind von Paris direkt nach Havanna geflogen und sechs Wochen lang quer durch die Insel gereist. Es war uns wichtig, nicht nur unterwegs zu sein, sondern an manchem Ort einige Tage zu bleiben.

W.S.: Hast du vor der Reise Wissen über Land und Leute gesammelt?

H.B.: Ich habe immer Berichterstattungen der Medien verfolgt und war so einigermassen informiert über das aktuelle politische und wirtschaftliche Geschehen. Für die konkrete Reiseplanung haben wir uns auf den Lonely-Planet-Reiseführer abgestützt. Zur geistigen Einstimmung lasen wir kubanische Literatur und diese Bücher begleiteten uns auch auf der Reise.

W.S.: Andere nehmen Digitalkameras mit auf die Reise und du den Zeichenstift. Ist das Berufung oder Hobby?

H.B.: Ich habe mein Skizzenbuch immer dabei; aber als Zeichenlehrer gehört diese Arbeit auch zu meinem Beruf. Besonders während der Ferien nehme ich mir etwas mehr Zeit, die Umgebung zeichnerisch festzuhalten. Diese Augenblicke geniesse ich sehr; zeichnend verschmelze ich mit der Umgebung; es sind kleine Glücksmomente.                                                                                              Sicher kann eine ähnlich intensive Auseinandersetzung beim Gebrauch einer Kamera stattfinden, aber oft bleibt es beim oberflächlichen Knipsen. Gerade auf dieser Reise ist mir wieder aufgefallen, dass manche Menschen ihre Umgebung hauptsächlich über einen Monitor wahrnehmen; im Extremfall mit dem Selfie-Stick, so wird das Reiseland nur noch zum Hintergrund für das ewige Selfie… da lobe ich mir das Hinsetzen, Beobachten und Skizzieren. 

W.S.: Du erwähntest ein Reisetagebuch… ist das eher privat oder in Teilen für die Öffentlichkeit?

H.B.: Das mache ich für mich privat! Allerdings habe ich eine Auswahl an Reiseskizzen auf meine Internetplattform geladen und den Link meinen Freunden und Bekannten gesendet, damit sie Einblick in unser Reiseabenteuer haben können. Meine Partnerin hat auf der Reise Digital-Fotos gemacht und diese Bilder werden wir zu einem Fotobuch zusammenstellen. So haben wir zwei Reisetagebücher, die sich gut ergänzen.

W.S.: Wie waren eure Unterkünfte?

H.B.: Wir übernachteten immer in Casas Particulares (=private Unterkünfte) oder  in B&Bs. Wir haben den direkten Kontakt mit den Besitzern der Unterkunft sehr geschätzt. So erhielten wir Informationen  aus erster Hand und manchmal halfen uns die Kontakte der Gastgeber beim Mieten eines Velos oder beim Buchen eines Transportes oder einer Exkursion. Ausserdem bieten viele Casas Particulares auch einen Restaurantservice…und manchmal haben wir da sehr gut gegessen.

W.S.: Ihr seid quer durchs Land gereist. Wie muss man sich die geographischen Gegebenheiten vorstellen?

H.B.: Das Klima im kubanischen Winter ist wunderbar angenehm. Die Temperaturen liegen tagsüber zwischen 20 und 26 Grad. Abends konnten wir im Freien essen – wie bei uns im Sommer. Der Sommer selbst kann jedoch  wesentlich heisser und feuchter sein. Die Landschaft ist weitgehend geprägt durch weite, leicht hügelige Weiden und Steppen mit Buschwerk. Grosse Flächen sind mit Zuckerrohr bepflanzt. Wo ein Fluss von den Hügeln und Bergen strömt, wird die Vegetation sofort üppig. Dann gedeihen tropische Pflanzen wie Bananen, Mango, Guaven, Yuccas und viele andere. Obwohl Kuba nicht sehr dicht besiedelt ist, begegnet man immer wieder kleinen ländlichen Siedlungen oder oft landwirtschaftlichen Grossbetrieben, sogenannten Kooperativen. Diese Siedlungen haben meistens eine Schule, eine Bar, einen Laden, manchmal auch eine Ambulanz und immer ein CDR (= Comité de Defensa de la Revoluciòn), das neben Überwachungs- und Kontrollaufgaben viel zum Sozialleben beiträgt.

W.S.:  Natürlich kommt die Frage nach Guantanamo?

H.B.: Nein, wir waren nicht in Guantanamo. Dieses besetzte Landstück ist natürlich ein Stachel im Selbstverständnis der Kubaner.

W.S.: Früher beschallte der Maximo Lider, Fidel Castro,  die Strassen mit stundenlangen Monologen und in den Fabriken wurde während der Arbeit so manches Kapitel Sozialismus vorgelesen, es dürfte sich also um eine politisierte Gemeinschaft handeln. Bemerkt der Besucher heute etwas davon?

H.B.: Ja, solche Gespräche hatten wir mehrmals. Dabei erschienen mir die Menschen recht gut informiert; auch wenn diese Informationen manchmal anders gefärbt erscheinen, als wir uns das gewohnt sind. Dies empfand ich aber mehr anregend als störend.

W.S.: Fidel war zu seiner Zeit allgegenwärtig, wie ist das heute mit ihm und seinem Bruder Raoul?

H.B.: Die Brüder Castro erschienen mir nicht sehr präsent in der Öffentlichkeit. Man begegnet hauptsächlich Fidel auf den vielen Propaganda Plakatwänden entlang der Strassen. Ich bekam den Eindruck, dass die Bevölkerung den alten Revolutionsführern durchaus mit Respekt begegnet. Aber es ist auch nicht aussergewöhnlich, dass in persönlichen Gesprächen die alte Führungsriege kritisiert wird.

W.S.: Dir ist die Gelassenheit der Leute aufgefallen, woran mag das liegen? O.K. “ das Sein bestimmt das Bewusst sein“, aber trotzdem, könnten wir von den Kubanern etwas lernen?

H.B.:   Wir könnten sicher von den Kubanern einiges lernen. Uns würde neben der Entspanntheit auch das Feuer  der Musik und des Tanzes gut tun.

W.S.:  Du hattest in unserem Vorgespräch erwähnt, wie auffällig es sei, dass die Kinder in Kuba so ruhig, wenig streitsüchtig und nicht quengelnd sind. Woran mag das liegen?

H.B.: Es hat sicher etwas mit dem entspannten Lebensgefühl zu tun. Die Menschen in Kuba haben sicher auch mehr Zeit für ihre Kinder, weil sie nicht so viel arbeiten können/müssen/wollen (!) wie wir. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Schule einen guten Beitrag zur Entwicklung der Kinder leistet. Wir trafen viele Schulklassen in ihren Uniformen in Schulhöfen, beim Turnen auf öffentlichen Plätzen oder auch in Museen. Sie machten einen zufriedenen Eindruck.

W.S.: In den letzten Monaten haben sich gewichtige Veränderungen in der Beziehung Kubas und der USA eröffnet. Barack Obama und Raoul Castro schüttelten sich freundschaftlich die Hände, die Sanktionen werden bald aufgehoben und bereits ist ein Linienfährbetrieb zwischen den Ländern eingerichtet. Hast du bei deiner Frühjahrsreise bereist bemerkt, dass spannende Erwartungen in der Luft lagen?

H.B.: Natürlich beschäftigt die Annäherung der beiden Staaten die Menschen in Kuba. Wir haben mit einzelnen Menschen darüber gesprochen, aber erstaunlicherweise waren die meisten alles andere als euphorisch. Ein über 80-jähriger Mann sagte, er habe überhaupt keine Erwartungen hinsichtlich einer politischen Öffnung. Das habe er in den letzten 50 Jahren schon manchmal gehofft und sei jedes Mal enttäuscht worden. Diese verbreitete Hoffnungslosigkeit und Resignation hat mich sehr nachdenklich gemacht. Für mich zeigen sie schwerwiegende Fehlentwicklungen der kubanischen Revolution.

W.S.: In der Badischen Zeitung vom 02.05.2015 wurde getitelt:“ Die Revolutionäre sind müde (…), doch die Annäherung an die USA weckt auch gemischte Gefühle.“  Was sind deine Gedanken zu diesem Prozess der Annäherung?

H.B.: Die Revolutionäre sind wohl schon seit längerem müde, die Ideale ihrer Revolution in Taten umzusetzen. Stattdessen haben sie einen Macht- und Repressionsapparat aufgebaut, der die freiheitliche Entwicklung der Menschen und des Landes massive beeinträchtigt. Das hat zur Folge, dass letztlich auch die Errungenschaften der Revolution bedroht sind. Ich hoffe, dass die jetzige Führung einen wirklichen Wandel zu Freiheit, Öffnung und wirtschaftlicher Entwicklung einleitet und nicht nur unausweichliche Korrekturen vornimmt, um weiter an der Macht bleiben zu können.

W.S.: Der letzte Satz im besagten BZ-Artikel lautet:“ Havanna blüht auf, aber im Hintergrund lauern schon die Heuschrecken des Finanzkapitals. Kubas Aufbruch wird nicht nur Gewinner haben.“

H.B.: Dass es bei dieser Öffnung auch Verlierer geben wird, ist klar! Ich hoffe einfach, dass es sehr viele kleine Gewinner sein werden und nicht nur wenige grosse. Ich wünsche Kuba, dass ein kontrollierter, demokratisch abgestützter Wandel stattfindet, ohne dass Errungenschaften wie Bildungs- und Gesundheitswesen, Naturschutz, tragfähige Sozialstrukturen zerstört werden. Und auch die karibische Lebensart sollte für eine wirtschaftliche Entwicklung nicht vollständig geopfert werden.

W.S.: Die Löhne im öffentlichen Dienst, z.B. bei den Lehrerkollegen, sollen recht schlecht sein. Sie werden in Pesos bezahlt, während etwa im Tourismusgeschäft eine Zweitwährung der CUC wesentlich höhere Einnahmen bringt. Kannst du uns erklären, was wir darunter zu verstehen habe?

H.B.: CUC bedeutet Pesos convertibles, 1 CUC sind etwa 1 US-Dollar. Er wurde für den Aussenhandel und den Tourismus eingeführt. In der Binnenwirtschaft dient der Peso als Zahlungsmittel. 25 Pesos sind ein CUC (sprich 1 Dollar). In Pesos sind die einheimischen Produkte sehr viel billiger. So bekommt man eine Pizzaschnitte an einem Imbissstand für 5 Pesos. An einem Imbiss mit CUC-Preisen bezahlt man dafür 1 bis 2 CUC, also das 5 bis 10-fache.  Es ist auch tatsächlich so, dass die Löhne in Pesos bezahlt werden, während Einnahmen im Tourismus meistens in CUC erfolgen. So übersteigen die Trinkgelder eines Fremdenführers z.B. seinen eigentlichen Lohn um das Mehrfache. Dies führt dazu, dass gut ausgebildete Menschen wie Lehrerinnen, Ingenieure und andere Akademiker/innen ihren Beruf aufgeben und eine Arbeit mit Tourismuskontakten z.B. als Kellner, Fremdenführer, Taxifahrer u.a. suchen, da sie dafür  CUCs verdienen können .

W.S.: Apropos Taxi,  Strassen und öffentliche Infrastruktur sollen recht schlecht sein. Wie seid ihr von Ort zu Ort gekommen?

H.B.: Wir sind hauptsächlich mit dem Bus und manchmal mit dem Taxi gereist. Dadurch haben wir sicher einen authentischen Einblick ins Alltagsleben erhalten, aber es hat auch einige Nerven gekostet. Um eine Fahrkarte für einen Überlandbus zu bekommen, muss man einen Tag im Voraus am Schalter die Reise anmelden und den Platz reservieren. Die Fahrkarte kann etwa eine Stunde vor Abfahrt am Schalter gekauft werden. Da die Busterminals meistens nicht im Stadtzentrum liegen, kann das ein mühsames und auch teures Unterfangen sein, falls man dazu ein Taxi nehmen muss. Zudem ist das Personal an den Verkaufsschaltern meist unfreundlich und wenig hilfsbereit. Vielleicht hat das damit zu tun, dass sie trotz Touristenkontakten kein Trinkgeld erwarten können. Nicht nur die Organisation, sondern auch die Dichte des öffentlichen Verkehrs sind in einem bescheidenen Entwicklungsstand. Moderne Technologien werden weder für Fahrplaninformationen noch für Billet Reservierungen oder Verkauf eingesetzt. Auch die innerbetriebliche Kommunikation – z.B. bei Verkehrsproblemen oder Verspätungen – scheint schlecht zu funktionieren.  Zudem sind viel befahrene Strassen in schlechtem Zustand. Uns hat das allerdings keine Sorgen bereitet, weil wir mit professionellen Chauffeuren unterwegs waren, die die kritischen Stellen kannten und die Fahrt entsprechend verlangsamten oder den grossen Schlaglöchern auswichen.

W.S.: Seit 2010 sind bis zu vier Hektar private Landwirtschaft erlaubt. Jahrzehnte gab es nur Zuckerrohr- und Tabak- Monokulturen. Wie präsentiert sich die Landschaft diesbezüglich?

H.B.: Je nach Region gibt es immer noch riesige Anbauflächen für Zuckerrohr. Der Zuckerrohranbau – wie generell ein grosser Teil der Landwirtschaft – werden fast immer von Kollektiven/Kombinaten auf industrielle Art betrieben. Daneben gibt es aber auch weite Flächen, die extensiv als Viehweiden genutzt werden. Sie machen häufig einen verwahrlosten Eindruck und sind weitgehend von Heidesträuchern überwuchert. Die Höfe der privaten Kleinbauern erkennt man meistens an der Vielzahl ihrer Kulturpflanzen und an der üppigen Fruchtbarkeit. Diese Betriebe sind kaum mechanisiert.

W.S.: Gibt es natürliche Wald- oder gar Naturschutzgebiete?

H.B.: Oh ja, davon gibt es einige! Die kubanischen Revolutionäre haben schon früh die Bedeutung des Natur-und Umweltschutzes erkannt und Pflanzen, Tierarten und zusammenhängende Gebiete unter Schutz gestellt. Dabei ist es sicher ein Vorteil, dass es ein schwache wirtschaftliche Entwicklung beziehungsweise das Fehlen von Grosskonzernen gibt, die ihre Interessen hätten durchboxen können. Bezüglich Umweltschutzes haben wir auch widersprüchliche Erfahrungen erlebt. So dürfen in Kuba seit einigen Jahren nur noch Energiesparleuchtmittel verwendet werden. Auch werden einzelne Verbrauchsmaterialien separat gesammelt und weiterverwertet, aber einem Komposthaufen sind wir nie begegnet. Nicht zuletzt durch den bescheidenen Lebensstandard weist das Land eine gute Umweltbilanz auf, aber durch die alten Autos und LKWs wird die Luft extrem verpestet.

W.S.: Einige Leser dieses Interviews haben jetzt sicher Lust auf eine Reise nach Kuba bekommen. Welche Empfehlungen kannst du ihnen mit auf die Reise geben?

H.B.: Sie sollen sich genügend Zeit nehmen, um Land und Menschen kennenzulernen.

W.S.: Willst du die Insel wieder einmal besuchen?

H.B.: Eher nicht ! Wenn ich wieder einmal eine grössere Reise machen kann, möchte ich einen anderen Teil der Welt sehen und erleben.

W.S.:  Vielen Dank Hubert für das interessante Gespräch.

 

 

 

 

1 0 2836 12 Mai, 2015 INFORMATIV Mai 12, 2015

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