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Stichwort “INVOL” – die neue Integrationsvorlehre am GIBZ
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Stichwort “INVOL” – die neue Integrationsvorlehre am GIBZ

Die Integrationsvorlehre (INVOL) wurde im Auftrag des Bundesrates vom Staatssekretariat für Migration (SEM) als Pilot initiiert mit dem Ziel, die Erwerbsintegration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen nachhaltig zu verbessern. […]

Die Kantone wurden eingeladen, ihr Konzept für die Umsetzung der INVOL beim Bund einzureichen. Das vom Kanton Zug eingereichte Konzept wurde vom SEM bewilligt. Somit startet das Pilotprogramm im August 2018.

Das Zuger Modell ist eingebettet in das Konzept «Sprachliche und berufliche Integration von Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich im Kanton Zug», welches unter der Leitung der Direktion des Innern in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ämtern und externen Partnerinstitutionen erarbeitet wurde.

Konzept
Die INVOL ist der Berufslehre vorgelagert und dauert ein Jahr. Sie umfasst zwei Schultage pro Woche und drei Tage Praktikum im Lehrbetrieb. Die Schultage werden durch das Amt für Brückenangebote (ABA) gemeinsam mit dem Gewerblich-industriellen Gewerbezentrum (GIBZ) angeboten und durchgeführt.
Der Unterrichtet beinhaltet Deutsch als Zweitsprache, Allgemeinbildung, Mathematik, Arbeitsmethodik/Informatik sowie berufsbezogene Aspekte.
Der INVOL-Vertrag, analog zu einem Lehrvertrag, wird mit einem branchenspezifischen Ausbildungsprogramm ergänzt, in welchem die praktischen Kompetenzziele umschrieben sind.
Am Ende des Lehrjahres findet eine praktische Prüfung im Lehrbetrieb statt und die Absolventinnen und Absolventen erhalten einen Kursausweis.

Ziel ist, dass im Anschluss der INVOL eine berufliche Grundbildung mit EBA oder EFZ im gleichen Lehrbetrieb absolviert werden kann. Damit dieses Ziel realistisch ist, wird das Potenzial dieser Personengruppe vorgängig abgeklärt. Details dazu und weitere Informationen: > Fact Sheet

Das Beispiel von Tekleweini Alay, der zur Zeit die beschriebene Integrationsvorlehre absolviert, zeigt, dass INVOL nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis funktioniert.

Herr Alay wurde 1991 in Eritrea geboren, wo er von 1998 bis 2009 die obligatorische Schulzeit absolvierte. Dann leistete er den obligatorischen Militärdienst und schloss diesen 2010 mit der Matura ab. Anschliessend begann er ein Biologiestudium an der Technischen Hochschule in der eritreischen Hauptstadt Asmara.
Neben seiner Muttersprache Tigrinya, spricht er gut Englisch. Dank seinem angefangenen Biologiestudium hat er ein vertieftes naturwissenschaftliches Wissen.
Herr Alay ist zuverlässig, körperlich fit, freundlich, intelligent und vielseitig interessiert.

2014 reiste er via Äthiopien und Sudan durch die Sahara nach Libyen, von dort über das Mittelmeer nach Italien und weiter in die Schweiz.

Kaum hier angekommen, legte Tekleweini Alay grossen Wert auf eine schnelle Integration. 2014-16 besuchte Deutschkurse, arbeitete ein Jahr im Recycling und Veloverleih und absolvierte Schnupperlehren.

Seit letztem Jahr hat er nun eine Lehrstelle als Montage-Elektriker für 2018 in Aussicht.

Das Profil von Herrn Alay ist nicht deckungsgleich mit dem Profil eines Montage-Elektriker-Lernenden (z.B. abgeschlossene Volksschule in der Schweiz). Manches kann Tekleweini Alay besser als 16-jährige Schweizer und Schweizerinnen, die eine Lehre beginnen. Aber anderes, was für Jugendliche aus der Schweiz ganz klar ist, ist für Tekleweini Alay neu:
Wie funktioniert eine Lehre genau? Wie läuft es an einer Schweizer Schule? Wie kommuniziert er in CH-Deutsch? Wie kann er komplizierte deutsche Fachtexte verstehen? Wie ist das Verhältnis zwischen den Generationen? Wie korrigiert er ein Missverständnis? Wie werden Probleme angesprochen und gelöst?…

In der INVOL erarbeitet Tekleweini Alay Antworten auf viele dieser Fragen:

Er trainiert Deutsch, lernt die Fachbegriffe aus der Elektrik, kämpft sich durch Sachtexte, repetiert Mathematik und Physik, taucht ins politische System der Schweiz ein, diskutiert das Zeitgeschehen und lernt im Lehrbetrieb das Berufsbild und die wichtigsten Tätigkeiten eines Montage-Elektrikers kennen.

So kann er im Sommer 2018 mit allen Fähigkeiten, die er sonst noch mitbringt, gut vorbereitet in die EFZ-Lehre starten. Alles Gute!

Weiterführende Infos: Homepage Amt für Berufsbildung Zug: Link

Text: zvG ; Bearbeitung: Brigit Weiss
Fotos: zVg

1 0 836 21 Juni, 2018 AKTIV Juni 21, 2018

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