Jahresrückblick 2015 - literarische Beiträge der Elektroinstallateure 3A & Automobilmechatroniker 3
Jahresrückblick 2015 – literarische Beiträge der Elektroinstallateure 3A & Automobilmechatroniker 3
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Jahresrückblick 2015 – literarische Beiträge der Elektroinstallateure 3A & Automobilmechatroniker 3

Lernende der Klassen EI3A (Elektroinstallateure) und AMT3 (Automobilmechatroniker) haben sich in literarischer Form mit dem Jahresrückblick 2015 auseinandergesetzt. Zu wichtigen Ereignissen des vergangenen Jahres haben sie Schilderungen geschrieben. Dabei sind sie in die (fiktive) Rolle einer Person geschlüpft, die beim gewählten Ereignis anwesend war. Entstanden sind realistische Texte, die einen einzigartigen Blick auf das Thema werfen.
Hier einige Kostproben:

Tod in Paris (von Björn Kalbitzer)
Ein grosser, kräftiger Mann streckt seine Hand zu mir und verlangt nach den Tickets. Doch ich träume und höre nichts. Ich stehe draussen mit meinen Freunden und schaue nach oben in die dunkle Nacht, um die wunderschönen Sterne zu betrachten. Es ist schon ziemlich kalt! Jedes Mal wenn ein Windstoss kommt und meine Haut berührt, fröstelt es mich am ganzen Körper und ich bekomme Hühnerhaut. Natürlich gibt es in meiner Gruppe keiner der zugibt, dass ihm etwas kühl ist, schliesslich sind wir auch Metall Fans. Harte Kerle mit weicher Seele beschreibe ich uns immer wieder gerne.

Ich greife mit frierenden Fingern in die warme Jackentasche um die Tickets zu holen, weil der Security schon zum dritten Mal danach fragt und mich meine Freunde mit den Ellbogen in die Rippen stupsen, damit ich endlich mal vorwärts mache. Mein Kollege schnappt mir die Eintrittskarten mit einem Schwung weg und schlägt sie dem starken Mann direkt in seine raue und trockene Hand. Ich bewege mich in dieser Sekunde kein bisschen, denn in diesem Augenblick frage ich mich: Wer ist dieses Mädchen? Ich habe sie noch nie gesehen. Doch sie entfacht in meinem kalten Körper ein warmes Gefühl. Ist das Liebe? Nein, das kann nicht sein, denn ich kenne sie ja gar nicht. Doch meine Gedanken sind nur bei ihr. Meine Freunde schubsen mich von hinten, weil ich ein Träumer und nicht gerade der schnellste bin. Aber dieses Gefühl gerade eben war einzigartig; etwas, was ich noch nie erlebt habe. Ich schwebe förmlich über den roten Teppich durch den düsteren Flur in die Konzerthalle. Wir sind eine der letzten Gruppe im Saal. Kaum angekommen wird die Band mit tosendem Applaus begrüsst. Auch meine Freunde sind ganz aus dem Häuschen und vergessen, dass wir in der hintersten Reihe stehen. Sie toben, schreien, jauchzen, jodeln…. Nur ich nicht. Ich stehe da wie ein Seelen verlassener Körper, bin still, konzentriert und bewege mich nicht von der Stelle. Ich bin auf der Suche nach dem wunderschönen Engel, der mir den Kopf verdreht hat. Das Konzert ist ausverkauft und in der brodelnden Menge bin ich auf der Suche nach einer bestimmten Person. Die ganze Zeit habe ich ihr Bild im Kopf, als würde ich sie schon eine Ewigkeit kennen. Ein Bild, so scharf und voller Farben. Es sind die Gedanken, die mir Hoffnung geben, doch leider ist es nicht die Realität. Ein schauerndes Gefühl übergibt mich und ich fürchte dass ein Wiedersehen nicht möglich ist. Meine Traum ist in kleine Splitter zerfallen. Ich möchte gerne aufwachen oder nochmals neu starten. Aber das ist kein Film, sondern das wahre Leben.

Björn Kalbitzer (AMT3) beim Schreiben seines Beitrages "Tod in Paris"

Björn Kalbitzer (AMT3) beim Schreiben seines Beitrages “Tod in Paris”

Ich schaue mit seufzendem Blick nochmals nach vorne. Und ich traue meinen Augen nicht: Wie aus dem Nichts steht sie plötzlich vor mir. Meine Hände beginnen zu schwitzen und wieder läuft mir ein Schauer über den Rücken. Dieses Mal ist es nicht der Wind, sondern meine Gedanken, die mir ein sonderbares Gefühl verleihen. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich sie tatsächlich noch gefunden habe und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Sie dreht sich um und schaut mir direkt in die Augen. Verlegen wende ich meine Augen nicht von ihr ab und sie fängt an zu lächeln. Ein Lachen, das alle Menschen im Raum verblassen lässt und nur noch wir beide gegenüber stehen. Der Augenblick fühlt sich ewig an und ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ja, es ist Liebe.

Doch wie aus dem Nichts fangen Leute an zu schreien und rennen verzweifelt davon. Doch ich merke nicht viel davon. Meine Welt ist nicht mehr dieselbe und sie fängt an sich gerade schlagartig zu ändern. Ich höre nur noch Schüsse von hinten und ich falle plötzlich auf den Boden wie ein schwerer Stein, der von einer Klippe fällt. Alles, was ich jetzt noch sehe, ist die Dunkelheit, Blut und Tod.
Es ist der 13. November 2015 und ich bin auf einem Konzert der Band Eagles of Death Metal in der Halle Bataclan in Paris. Ich bin ein Todesopfer einer dschihadistischen Terrorgruppe, die mir mein Leben und das von vielen anderen genommen hat. Eine Tragödie, die die ganze Welt erschütterte. Jedoch ist der Schmerz bei den Hinterbliebenen am grössten. Ich halte jetzt die wahre Liebe meines Lebens in einer anderen Welt für ewig in den Armen.

Die Bundesratswahl (Nicolas Burnier)
Ich befinde mich im Bundeshaus, die Bundesratswahlen laufen. Sechs sind bereits wiedergewählt, jetzt geht es um den siebten und letzten Platz, und ich bin einer der drei Kandidaten der SVP. Zwei Wahlgänge sind bereits durch und ich liege vorne. Um mich herum sitzen meine Parteikollegen.

Ich schwitze, denn die Nationalratspräsidentin ist kurz davor das Ergebnis der dritten und hoffentlich letzten Abstimmungsrunde zu verkünden. Sie läutet die Glocke und im Saal wird es ruhig, ich beginne zu bangen. Ein Geruch, der irgendwo zwischen schwitzendem Politiker und kaltem Kaffee liegt, steigt mir in die Nase. Die Präsidentin beginnt ihren Kopf Richtung Mikrofon zu neigen und mir stellen sich die Haare auf den Armen auf, ich werde immer nervöser. Sie öffnet ihren Mund, bald kenne ich das Ergebnis. Ich spitze die Ohren, denn auf keinen Fall will ich verpassen, was sie sagt. Nun beginnt sie zu sprechen: „Gewählt ist mit 138 Stimmen Guy Parmelin“. Ja, JA ,JA, ich bin es, ICH. Fassen kann ich es noch nicht, aber meine Kollegen beginnen schon damit mir kräftig die Hand zu schütteln und langsam begreife ich es auch selbst: Ich bin für die nächsten vier Jahre als Bundesrat gewählt. Jetzt nur noch die Dankensrede ohne erste Blamage hinter mich bringen und die Wahl glücklich annehmen.

Das ist er, der schönste Moment in meinem Leben. Ich darf als Bundesrat auf die Schweizer Verfassung schwören.

Flucht (Michael Fischer)
Ich lebe in Syrien mit meiner Mutter, meinem Vater und meinen drei Geschwistern. Mein Vater hat einem Fremden, die man Schlepper nennt, viel Geld gegeben, damit ich nach Europa reisen kann. Da ich der älteste bin, hofft meine Familie, dass ich dort Geld verdiene und ihnen so helfen kann. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass sie mich auf eine gefährliche Reise schicken, jedoch gibt es für unsere Familie keinen anderen Ausweg.

Zusammen mit zweihundert anderen bin ich nun auf einem kleinen Fischerboot. Unser Ziel ist es, dass wir gut nach Italien kommen und für uns dort ein besseres Leben beginnt. Voller Hoffnung und Zuversicht starten wir in eine ungewisse Zukunft. Wir haben alle eine Schwimmweste bekommen. Ich fühle mich aber trotzdem sehr unwohl. Das Meer ist sehr unruhig und vielen ist es schlecht. Immer wieder werden wir nass gespritzt. Einige müssen erbrechen. Wir sitzen eng aneinander und neben mir ist ein Baby, das schon seit einer Stunde schreit. Es hat Angst, Durst und es ist ziemlich kalt. Ich weiss nicht mehr, wie lange wir schon unterwegs sind. Ich bin genervt, da ich nicht gut schlafen konnte. Es ist unbequem, kalt und es stinkt. Ich hoffe, dass die Reise nach Italien nicht mehr so lange dauert. Plötzlich schreien einige ganz laut. Panik bricht aus und alle werden ganz hektisch. Ich schrecke auf und schaue umher. Einer schreit: «Wir sinken!» Frauen versuchen Ihre Kinder festzuhalten. Ich springe aus dem Boot. Viele bleiben sitzen, weil sie Angst haben und nicht schwimmen können. Wo ich hinschaue sehe ich grosse, vor Panik aufgerissene Augen. Ich schreie mehrmals, sie sollen das Schiff verlassen. Doch bei den meisten ist es zu spät. Einige ertrinken, weil sie nicht schwimmen können oder die Schwimmweste nicht angezogen haben. Ich möchte der Frau das schreiende Baby abnehmen. Sie will es mir nicht geben. Aber als sie merkt, dass ich ein guter Schwimmer bin, übergibt sie es mir erleichtert. Ich bin mit etwa fünfzig anderen im Wasser. Zum Glück kommt nach einiger Zeit, die uns wie eine Ewigkeit vorgekommen ist, die italienische Küstenwache. Ich schreie voller Freude: «Wir sind gerettet!» Es werden uns Rettungsringe zugeworfen und an Bord werden wir mit warmen Decken empfangen. Es tut so gut auf einem richtigen Boot unter hilfsbereiten Menschen zu sein. Die Erleichterung ist einfach riesig. Sie bringen uns an Land. Die erste Etappe unserer gefährlichen Reise ist nach schrecklichen Erlebnissen geschafft. Und jetzt? Wie weiter?

Ich werde in meinem ganzen Leben nie mehr die Bilder der ertrinkenden, schreienden und hilflosen Menschen vergessen können. Was mir aber auch sehr zu schaffen macht, ist die Ohnmacht nicht mehr helfen zu können. Wenn ich in der Nacht schweissgebadet aufwache, sehe ich doch noch etwas Positives vor Augen. Ich spüre noch heute die dankbare Umarmung der Mutter, deren Baby ich vor dem Ertrinken retten konnte. Ich frage mich in letzter Zeit oft, warum Menschen überhaupt in solche Situationen kommen müssen. Hinter jeder einzelnen Person können so viele Schicksale stehen. Ich bin jetzt in der Lage mein Leben selbstständig zu führen und meiner Familie die erhoffte finanzielle Unterstützung zu ermöglichen. Meine Reise hat doch noch eine weitere positive Wendung genommen.

Weitere Beiträge unter http://www.brennpunkt-welt.com/jahresr%C3%BCckblick-2015/schilderungen/

3 Kommentare deaktiviert für Jahresrückblick 2015 – literarische Beiträge der Elektroinstallateure 3A & Automobilmechatroniker 3 2096 20 Januar, 2016 AKTIV Januar 20, 2016

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