Das Leben meistern nach einem Schicksalsmoment – FAGE-Exkursion ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil
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Das Leben meistern nach einem Schicksalsmoment – FAGE-Exkursion ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil

Anstelle eines Schultages am GIBZ besammelten sich 80 Lernende „Fachperson Gesundheit“ und 5 Lehrpersonen im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil (LU).
Auf eindrückliche Weise erzählte ein Betroffener wie er heute mit vier Kindern das Leben als Tetraplegiker meistert. In einem Film zeigte er uns, wie er in Rekordzeit von drei Minuten aus seinem geliebten Auto in den Rollstuhl umsteigt. Dies schaffe er nur so schnell, weil er als Rugbyspieler sportlich sehr fit sei. Mit 25 Jahren auf einer Amerikareise jumpte er in einen Pool und prallte aufgrund der mangelnden Tiefe mit dem Kopf auf dem Grund auf. Dieser Unfall veränderte sein Leben total. Er zeigte uns seine gelähmten Hände, die er mit Tricks trotzdem einsetzen und sogar einen Plastikbecher halten kann.

Das Leben meistern, wenn normale Körperfunktionen und Aktivitäten einfach nicht mehr funktionieren, wurde den Lernenden wiederholt auf eindrückliche Weise vor Augen geführt.

Eine weitere Betroffene erzählte, wie sie sich nach einem Motorradunfall auf dem Klausenpass völlig unverletzt, sitzend am Strassenrand wiedergefunden hat. Sie sah wie ihr Töff den Hang hinunter rauschte. Nur kurze Zeit später passierte es: ein nächster Motorradfahrer verlor ebenfalls die Kontrolle über sein Motorrad und dieses traf sie so brutal, dass sie nun schon 20 Jahre tetraplegisch ist. Sie könne dieses Schicksal nie akzeptieren, doch habe sie gelernt damit zu leben. Was bleibt ihr anders übrig, meint sie. Es gebe im Paraplegikerzentrum auch Suizidversuche, doch die meisten überwinden die Krise und blicken mehr oder weniger positiv in das neue andere Leben.

Beeindruckend ist, wie die „Tetras“ als Peers anderen Verunfallten Mut machen. Sie beraten sie im Umgang mit dem Kathetrisieren, der Hitze – Schwitzen ist nicht mehr möglich – und der Sexualität. Die Betroffenen fühlen sich von Peers besser verstanden als von Fachpersonen.

Die „Tetras“ begleiteten uns auf einem Rundgang und zeigten uns, wie sie das Leben im Rollstuhl mit neurologischen Schmerzen, der Spastizität und der Gefahr des Wundwerdens bewältigen. Beim Basketballspielen im Rollstuhl konnten auch die Lernenden ihre Fitness und  Geschick testen. Sie erfuhren wie herausfordernd es ist, die Vorderräder selber zu heben und eine Rampe zu erklimmen, ohne dass der Rollstuhl nach hinten kippt.

Die meisten Unfälle mit Verletzungen an der Wirbelsäule sind Motorradunfälle.

So übten die Lernenden wie sie bei Verunfallten einen Helm möglichst ohne weitere Schäden an der Wirbelsäule zu verursachen, entfernen können. Damit die Stabilisierung der Halswirbelsäule gelingt, braucht es Kraft und eine ruhige Hand. In einem Referat wurden alle Pflegeschwerpunkte nochmals zusammenfassend präsentiert. In jedem Fall ist klar, dass Fachpersonen Gesundheit mit ihrer Kompetenz dort professionell unterstützen können, wo Tetra- und Paraplegiker:innen auf Hilfe angewiesen sind. Dabei ist das Ziel der Rehabilitation die Förderung der Autonomie von Patienten:innen. Diese gibt den Betroffenen das Selbstbewusstsein zurück und macht Mut, das Leben wieder geniessen zu können.

Beitrag von Regula Tobler, Prorektorin Gesundheit und Dienstleistung
Fotos: Laura Moell, Berufsverantworliche FaGe Erwachsene

2 Kommentare deaktiviert für Das Leben meistern nach einem Schicksalsmoment – FAGE-Exkursion ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil 129 06 Mai, 2022 AKTIV Mai 6, 2022

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