„A perfect day“ : DVD-Tipp aus der Mediathek
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„A perfect day“ : DVD-Tipp aus der Mediathek

„A perfect day“ – dass dieser Titel nur ironisch gemeint sein kann, wird dem Zuschauer gleich zu Beginn des Filmes klar: Eine aufgedunsene tote Kuh liegt auf einer kurvigen Bergstrasse – soll man sie nun links oder rechts herum umfahren? Das ist keine alberne Quizfrage, sondern eine um Leben & Tod.

Und stellen tut sie der NGO-Mitarbeiter „B“ (Tim Robbins), der mit einer jungen Kollegin (Mélanie Thierry) Mitte der 90er Jahre kurz nach Kriegsende irgendwo im Balkan auf eben dieser Strasse unterwegs ist. Jahrelange Erfahrung bei humanitären Einsätzen hat ihn gelehrt, dass es vermutlich eine Falle ist und neben dem Kadaver eine tödliche Landmine versteckt sein kann.

Bereits in der ersten Szene des Spielfilms von Fernando León de Aranoa (basierend auf der Buchvorlage der Ärzte-ohne-Grenzen-Aktivistin Paula Farias) zeigen sich die typischen Merkmale dieser schwarzen Komödie: Dialoge, so staubtrocken wie die vom Krieg versehrte Gegend, NGO-Mitarbeiter & -Mitarbeiterinnen, die die letzten Wochen ihres bald zu Ende gehenden Einsatzes nur (noch) mit viel Galgenhumor hinter sich bringen & trotz all den Steinen (und Kühen!), die ihnen von verschiedener Seite in den Weg gelegt werden, empathisch mit der Bevölkerung bleiben.

Vordergründig geht es um die Arbeit von Mitarbeitenden für eine internationale Hilfsorganisation, die in einem Bergdorf einen verstopften Trinkwasserbrunnen wieder funktionstüchtig machen sollen. An diesen roten Faden werden zahlreiche Nebengeschichten geknüpft, in welche die Helfer um ihren abgeklärten Chef Mambrú (Benicio Del Toro) geraten: teils profane private Probleme, die von der Unmöglichkeit des Wirklich-etwas-ändern-Können ablenken, teils heikle und hochpolitische Situationen, weil das Team der Hilfsorganisation Aid Across Borders den nicht immer nachvollziehbaren Entscheiden der UNO-Blauhelme ausgeliefert ist.

Was anfänglich als leicht humoriger Klamauk daherkommt, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Antikriegsfilm, der anhand einschlägiger Szenen und Dialoge den Zuschauer nicht die eine ganze, aber viele mögliche Tragweiten heutiger Kriege erahnen und manchmal erst im Nachhinein realisieren lässt.

Regisseur de Aranoa tut dies nicht mit unerträglichen Bildern, bei denen man kaum hinsehen kann, sondern in geschickt das Kriegsgrauen andeutenden Szenen. Eine der berührendsten ist bestimmt jene, in welcher Teamchef Mambrú einen kleinen Jungen mit unglaublicher Geistesgegenwart und tiefem Einfühlungsvermögen davon abhält, seine toten Eltern, die er noch am Leben glaubt, alleine suchen zu gehen.

„A perfect day“ ist eine Antikriegskomödie, die vielleicht aus der einen oder anderen überflüssigen Nebengeschichte zusammengesetzt ist. Aber genau das macht den Film aus: Auch in Kriegs- und Krisengebieten wird gelacht, geliebt, um Alltägliches gezankt. Vielleicht auch nur, um für einen Moment die Absurdiät des Krieges zu vergessen. Was dem Publikum von „A perfect day“ garantiert nicht passiert. Auch der eher ungewöhnliche, aber zur „Filmsprache“ bestens passende Soundtrack mit Titeln von The Velvet Underground, Marilyn Manson, Marlene Dietrich (u.a.) ist ein weiterer Grund, sich diesen Film anzusehen.

Die DVD ist in der GIBZ Mediathek vorhanden und steht – wenn sie nicht ausgeliehen ist – bei den Spielfilmen unter P

Noch mehr zum Film auf der Homepage von „A Perfect Day“

Text: Brigit Weiss

 

2 0 902 19 September, 2016 Media September 19, 2016

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