Wieder auf der Schulbank sitzen – Erwachsene in der verkürzten Ausbildung zur Fachfrau/Fachmann Gesundheit
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Wieder auf der Schulbank sitzen – Erwachsene in der verkürzten Ausbildung zur Fachfrau/Fachmann Gesundheit

In unserer Abteilung der FAGEV und FAGEEB (im GIBZ im Trakt 5, 3. Stock) unterstützen und fördern wir als Berufsschullehrkräfte ausschliesslich erwachsenen Menschen. Wir begleiten diese auf unterschiedlichen Wegen zum Erwerb des EFZ Fachfrau Gesundheit, Fachmann Gesundheit. Teilweise haben diese Personen bereits eine oder zwei Berufe vorher gelernt und steigen in eine neue Ausbildung am GIBZ ein. Andere wiederum haben keine oder keine abgeschlossenen Ausbildungen und machen die Ausbildung bei uns als Erstausbildung. In diesem Fall gehört dazu auch der Besuch des allgemeinbildenden Unterrichts (ABU). Dieser kann in einer speziellen Form für Erwachsene oder gar separat vor der eigentlichen Ausbildung besucht werden. Übrigens: Schweizweit sind es in etwa 10 Prozent der Lernenden, welche die Ausbildung zur FAGE als Erwachsene und in verkürzter Form machen.

Unsere Lernenden sind zwischen 24 und bis über 50 Jahre alt. Es sind wie in der Pflege üblich mehrheitlich Frauen (schweizweit ca. 88%!), doch haben wir bei uns in jeder Klasse auch Männer, allerdings in massiver Unterzahl. Die Lernenden sind aus der ganzen Innerschweiz, manchmal sogar auch aus dem Aargau und aus Zürich bei uns im ABU und dem Berufskundeunterricht. Vor einiger Zeit haben wir Lehrkräfte einmal unsere vertretenen Nationen angeschaut bei unseren Lernenden. Über 25 Nationen waren vertreten.

Für die Aufnahme in die Ausbildungen gelten Vorbedingungen: Es sind dies das Alter, die Beschäftigungsprozente im Betrieb, Deutschkenntnisse und andere.

Dieses Jahr haben wir nach den Sommerferien am GIBZ allein für die verkürzte Ausbildung FAGEV (2 anstatt drei Jahre für das EFZ) 88 Personen aufgenommen. Dazu kommen zahlreiche Personen, welche die Modulausbildung (FAGEEB) sowie den vorgezogenen ABU begonnen haben.

Zwei Leute aus meiner Klasse FAGEV A1 erzählen im Folgenden, wie für sie dieser Einstieg als Erwachsene in diese EFZ-Ausbildung gelaufen ist.

Markus-Peter Rüedi, Berufsschullehrer HF, Abteilung FAGEV und FAGEEB


Wieder auf der Schulbank sitzen
Für mich ist dies die zweite Ausbildung. Nicht, dass mir mein erster Beruf als gelernte Metzgerin Fleischveredlung nicht gefallen hätte, sondern weil ich auch noch sehr interessiert am Thema Medizin bin. Vor allem die Notfall- und Palliativ-Richtung interessieren mich sehr.

Wieder auf der Schulbank zu sitzen ist nicht so einfach für mich. Ich habe gemerkt, dass mir das Lernen schwerer fällt als noch vor 20 Jahren. Damit mir der neu erlernte Schulstoff auch wirklich erhalten bleibt, muss ich ihn beispielsweise mehrere Male repetieren.

Auch alles unter «einen Hut» zu bringen ist nicht immer so einfach: Ich habe noch drei Jungs zu Hause und  arbeite in einem 90%-Pensum in einem Alterszentrum. Viel Zeit für Freizeit bleibt da nicht mehr. Da spielt das permanente Zeitmanagement eine grosse Rolle. Ohne eine saubere Planung würde ich es nicht packen. Natürlich ist die grosse Unterstützung meiner Jungs auch sehr wichtig.  Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür! Weil sie so toll sind und gut mitziehen, gelingt mir diese Dreifachbelastung (Arbeit/Ausbildung/Haushalt).

Ich habe auch das Glück, dass ich einen guten Betrieb und eine gute Ausbilderin habe. Sie, sowie die Leute im Betrieb schauen zu mir und unterstützen mich sehr gut. Dies gibt mir Halt und es ist für mich eine grosse Hilfe.

Ich weiss, diese Ausbildung wird nicht leicht. Zum Glück bin ich zielstrebig und gebe nicht schnell auf. Auch die Corona-Situation derzeit ist nicht einfach und erschwert die Ausbildung zudem. Ich hoffe im Moment vor allem, dass ich mit meiner Klasse möglichst lange weiterhin Präsenzunterricht am GIBZ haben darf und es nicht (wieder) zu Fernunterricht kommt.
(Selma Kahrimanovic, FAGEV 1A)


Die verkürzte Ausbildung zur FaGe für Erwachsene am GIBZ unter COVID-19-Schutzmassnahmen
Ich fand den Schul-Einstieg eher problematisch. Man ist nicht mehr in seinem gewohnten Umfeld, wo man täglich als Pfleger agiert. Zum ungewohnten Umfeld kommt auch noch der Druck, es ist an der Berufsschule alles sehr Theorie bezogen. In kurzer Zeit muss der Lernstoff aufgenommen werden und dies nach mehreren «schulinaktiven Jahren». Auch als Alleinstehender muss man vieles verändern im neuen Alltag: Während andere Mitschüler/innen persönliche Aufgaben, sei es durch ihren Partner oder Eltern aufteilen können, muss ich dies allein übernehmen und alles selbst einteilen, bzw. erledigen. Beispielsweise das Putzen der Wohnung, Rechnungen bezahlen oder Einkaufen. Auch mal die Musse zu finden nach der Arbeit, mal abschalten können ist schwierig. Oder die Motivation zu finden nach einem langen Arbeitstag im Betrieb noch weiter zu lernen, sowie Hausaufgaben zu erledigen.

Die Umstände im GIBZ wegen Covid-19 wirken sehr angespannt und erschweren den alltäglichen Umgang mit den Lehrpersonen, Mitschülern und der schulinternen Infrastruktur. Das Tragen der Masken wirkt sehr unpersönlich. Auch die Angst, mit täglich ansteigenden Covid-19 Ansteckungszahlen, das ein erneuter Lockdown, mit Fernunterricht auf uns zukommen könnte, ist allgegenwärtig.

Wir sind in der Königsdisziplin der schulischen Machbarkeit involviert und versuchen das Beste daraus zu machen. Dies begann bereits am ersten Schultag, wo wir in die Klassen eingeteilt wurden.

Durch die Erstellung des GIBZ Studentenausweises ohne Maske kehrte für einen kurzen Moment Normalität ein. Aber bald nach dem Verlassen des Fotoaufnahmeraumes kehrte mit der eigenen Maske wieder die Realität zurück.

Eines der wichtigsten Klassenmerkmale, wurde unter diesen Umständen doch noch ermöglicht. Das Klassenfoto darf auf keinen Fall fehlen!


Unser Schulunterricht wird durch Covid-19 überschattet. Die schulinternen Möglichkeiten wurden leider so eingeschränkt, dass die Lernenden nicht einmal die Stifte für den Flipchart abwechselnd nutzen können und dafür eigene mitbringen von Zuhause.

 

Wir weichen immer wieder aus den engen Schulräume aus, was uns einerseits mehr Arbeitsraum ermöglicht, aber andererseits auch mehr Sicherheit wegen der grösseren Distanz untereinander bietet.
Die ersten Prüfungen wurden durchgeführt und damit sind wir nun offiziell in der Schule als neue Lernende angekommen.

Ich erlebe nebst den schulischen Herausforderung, dass wir auch bei den Prüfungen dem Druck und der Problematik von Covid-19 ausgesetzt sind. Ich empfinde auch hier einen zusätzlichen Stress durch die Pflicht zum Maskentragen. Mit ansteigendem Adrenalin und grosser Anspannung wird es uns mit Masken erschwert, entspannt zu sein und uns gut zu konzentrieren.

Ich hoffe, dass wir bald eine bessere Lösung finden bezüglich Covid-19-Massnahmen am GIBZ. Für mich ist es unter solchen Bedingungen schwierig, mich zu konzentrieren: Auch die Gefahr, sich in der grossen Klasse gegenseitig anzustecken ist gegeben, wie bereits jüngste Ereignisse bei uns gezeigt haben.
Deshalb hoffe ich, dass diese Pandemie sich bald legt und wir wieder einen normalen gewohnten Schulunterricht besuchen können: Ohne zusätzlichen Druck, Einschränkungen und Anspannung und dass dann irgendeinmal wieder die Normalität des Alltäglichen zurückkehrt.

Tarik Var (FAGEV A1)

3 Kommentare deaktiviert für Wieder auf der Schulbank sitzen – Erwachsene in der verkürzten Ausbildung zur Fachfrau/Fachmann Gesundheit 369 20 Oktober, 2020 AKTIV Oktober 20, 2020

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