„Formation KAYADj“ – wo Schweizer Schreiner-Fachwissen mit senegalesischem Know-how verbunden wird
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„Formation KAYADj“ – wo Schweizer Schreiner-Fachwissen mit senegalesischem Know-how verbunden wird

Es ist heiss an diesem Dienstagvormittag Mitte April – bereits mehr als 30 Grad im Schatten – als wir unsere Fahrräder durch das breite Tor zum Hof der „École Professionelle de Menuiserie“ schieben. Hier treffen wir Kurt Koch, den Schweizer Schreinermeister, der die Ausbildungungsstätte „Formation Kayadj“ für angehende Schreiner in der Region Casamance im Süden des westafrikanischen Staates Senegal 2008 gegründet und aufgebaut hat.

So ist das Projekt auf seiner Homepage beschrieben:

„Mit dem Aufbau und Betrieb eines Schreinerateliers in Albadar (Casamance, Senegal) will KAYADj schweizerisches fachtechnisches Wissen mit senegalesischem Know-how verbinden. In Bildungsmodulen werden für die Praxis relevante theoretische Grundlagen erarbeitet und Ausbildungsplätze für Jugendliche angeboten. KAYADj soll sich in der senegalesischen, wirtschaftlichen Realität bewähren. Es hilft, die Arbeitslosigkeit zu verringern. Die Entwicklung und Herstellung von Produkten, die einen hohen Gebrauchswert aufweisen, sollen einem grossen Teil der Bevölkerung eine Verbesserung der Lebensqualität bringen. Letztlich leistet das Projekt einen Beitrag gegen die Ab- und Auswanderung.“
(Homepage Formation KAYADj)

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„Kayadj“ (sprich Kajadsch) bedeutet „Holz“ in der Sprache der Djola, die einen grossen Teil der Bevölkerung in dieser Region ausmachen. Der Lehrlingsbetrieb liegt an einer Strassenkreuzung am Dorfrand von Albadar, dem Nachbardorf von Abéné, wo die Schreibende seit 1995 regelmässig hinreist, um eine befreundete Familie zu besuchen.

Kurt Koch ist ein vielbeschäftiger Mann, ist er doch praktisch alleine für die schulische & praktische Ausbildung „seiner“ fünf Schreinerlehrlinge verantwortlich. Was das heisst und wieviel Arbeit dahinter steckt, erfahren wir bei einem Rundgang durch den Betrieb (Büro, Holzlager, Schulzimmer, Hobelatelier, Schreinerwerkstatt inklusive feuchtigkeitsgeschütztem Material-Container).

Obwohl Kurt Koch kaum Zeit für eine Führung hat, weil er anderntags in die 200 km entfernte Hauptstadt Dakar fährt, um Leute von der Regierung über sein „duales Bildungssystem“ zu orientieren, nimmt er sie sich, erklärt uns ausführlich und voller Enthusiasmus, wie seine Schreinerei und die Ausbildung funktionieren, welche Schwierigkeiten er überwinden musste und muss, um in diesem Land, das so anders als die Schweiz funktioniert, seine Idee eines Schreinerausbildungsbetriebes zu realisieren.
Je mehr er erzählt und wir nachfragen, umso mehr kommt er ins Redefeuer! Man spürt seinen scheinbar unermüdlichen Tatendrang und sein Engagement für sein Projekt und staunt irgendwann einfach nur noch, was dieser vor Energie & Ideen strotzende bald 60jährige Mann in knapp zehn Jahren aufgebaut hat! Vor allem, wenn man weiss, wie langsam hier die Uhren und die Bürokratie ticken… Und so ganz nebenbei hat er zusammen mit seiner senegalesischen Ehefrau auch noch eine Boutique – so heissen hier die kleinen Lebensmittelläden – inklusive einem einfachen Café/Restaurant aufgebaut.

Wir sehen seine Lehrlinge Oumar, Mouhamed, Lamine, Ibrahima, Ousmane an grossen Sägen, Zeichnungstischen & Hobelmaschinen arbeiten und dies ganz SUVA-konform, ausgerüstet mit Schutzvorrichtungen, Ohrschützen und Staubmasken! Hin und wieder fällt der Strom aus, was hier ziemlich normal ist. Dann wird entweder eine Pause eingelegt oder der Notstrom-Generator in Betrieb genommen…

Ausbildung & Lebensumstände der Schreiner-Lehrlinge im Senegal

Später lernen wir auch Hansen kennen, den jungen Berliner Wandergesellen, der auf der Walz ist und mehrere Wochen bei Kurt Koch gearbeitet und in einem kleinen Zelt auf dem Gelände gewohnt hat. Apropos Mitarbeit, hier für Interessierte ein weiterer Link auf die Homepage:

Mitarbeit in der Formation KAYADj

Wir fragen Kurt Koch, was er sich am meisten wünscht für seinen Betrieb.
Er hat zwei Anliegen: Damit er den in der Schweiz längst bereitstehenden Container endlich verschiffen kann, fehlt ihm „nur“ noch eine Kehlmaschine mit einer schwenkbaren Welle.
Also: Falls jemand eine solche günstig abgeben kann oder etwas von einer weiss, die nicht mehr benutzt oder ersetzt wird, bitte bei der Schreibenden melden!
Ausserdem würde er gerne einen Schweizer Schreinermeister oder Werkmeister einstellen, der für drei, vier Jahre in Ausbildung und Produktion mitwirkt, bis Auszubildende von KAYADj diese anspruchsvolle Aufgabe übernehmen können.

Als wir zu guter Letzt noch zu einem feinen Mittagessen inklusive selbst gemachter Glacé eingeladen werden, sind wir fast ein wenig beschämt, dass wir als kleines Mitbringsel bloss eine „Toblerone“ mit dabei hatten…

Text: Brigit Weiss (gibt gerne auch weitere Infos zum Projekt)
Fotos: Johanna Thommen & Brigit Weiss

 

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2 Kommentare

  1. Esther Haas

    Spannender Artikel, der auch noch luftig-leicht zu lesen ist.
    Da gäbe es einen „einfachen“ Beitrag zur Aufbauhilfe – hat sich der Schreinermeister schon gemeldet? Im Ernst: für solche Projekte stehen doch Bundesgelder zur Verfügung. Für BR Schneider-Ammann ein echtes Vorzeigeprojekt. In Myanmar hat es ja auch funktioniert.

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  2. Stefan Rickli

    Kurt Koch kocht offensichtlich nicht mit Wasser! Da erkennt man sehr viel Arbeit und Hingabe. Weiterhin viel Energie für den Betrieb. Ich freue mich auf das Referat.

    Antwort

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